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Der Fachkräftemangel ist bald unser geringstes Problem

Alle machen sich Sorgen über den Fachkräftemangel. Dabei stellt die Digitalisierung uns vor ganz andere Probleme: Warum denken nicht mehr Unternehmer über den Fachkräfte-Überschuss nach, der in einigen Jahren die Wirtschaft auf links krempeln wird? Wenn die Maschinen und Algorithmen übernehmen, brauchen die Menschen neue Arbeit. Und darauf sind weder die Menschen noch das System ausreichend vorbereitet.     

 

Deutschland schwelgt im Luxus. Damit meine ich nicht nur die Kaufkraft. Ich meine noch nicht einmal die Verbraucher. Ich meine Arbeitgeber und Politik, die sich wohlig am Kratzbaum ihrer gegenwärtigen Luxusprobleme reiben, anstatt sich Gedanken über die echte Krise zu machen, die übermorgen auf uns zurollt. Denn wo es uns im Moment an Arbeitskräften mangelt, werden die Wirtschaft und der Staat mittelfristig mit dem umgekehrten Problem zu kämpfen haben – und zwar in einer Dramatik, die wir uns noch gar nicht vorstellen können.

Als Berater bekomme ich es immer wieder mit Führenden zu tun, die sich in den Problemen von heute festbeißen. Dass die wichtig sind und der Fachkräftemangel real, will ich gar nicht abstreiten. Doch warum fragt in Vorstandsetagen und Ministerien niemand mit vergleichbarer Dringlichkeit: Wohin mit all den überschüssigen, fehlqualifizierten Arbeitskräften, wenn der Wandel am Arbeitsmarkt erst einmal so richtig greift? Denn das wäre eigentlich der Job von CEOs und Vorständen: Heute Lösungen zu finden, um das Morgen zu gestalten.

WEF-Bericht: Alle Warnlampen auf Rot

Dass es an mangelnden Warnsignalen liegt, kann wirklich niemand behaupten. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Bereits bis zum Jahr 2025 wird der Anteil der von Menschen geleisteten Arbeit von momentan 71 Prozent auf dann 48 Prozent fallen. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht „The Future of Jobs“ des Weltwirtschaftsforums (WEF), der im September vorgelegt wurde. Den Großteil der Arbeit erledigen also bereits in sieben Jahren Maschinen und Algorithmen. Weltweit, schätzen die Forscher, fallen schon in den nächsten vier (!) Jahren bis zu 75 Millionen Arbeitsplätze weg.

Nun darf man solchen vorausschauenden Studien grundsätzlich mit Skepsis begegnen, zumal der Bericht den schlechten Nachrichten gleich gute entgegensetzt. Die Prognose, dass in den nächsten fünf Jahren weltweit gleichzeitig 133 Millionen Stellen neu geschaffen werden, also fast doppelt so viele wie entfallen, erscheint mir jedoch zum einen sehr optimistisch. Zum anderen sind die meisten der neuen Rollen auf bestimmte Sektoren des Arbeitsmarkts begrenzt, nämlich die digitalen und die industriellen mit hohem Digitalisierungspotenzial, und womöglich auch nicht nachhaltig.

Unternehmen müssen jetzt handeln

Ich befürchte, dass wir mit unserer Ignoranz gegenüber dem kommenden Arbeitskräfte-Überschuss einer Phase des massiven Einbruchs am Arbeitsmarkt entgegengehen, aus der wir uns dann erst mühsam wieder befreien müssten, während uns aufstrebende Wirtschaftsnationen auf Jahre davonlaufen.

Ich weiß aber auch: Wenn wir jetzt die richtigen Maßnahmen ergreifen, könnten wir nicht nur unsere Unternehmen rechtzeitig auf die Umwälzungen einstellen, unsere Überlebenschancen im Wettbewerb erhöhen und uns als First Mover einen Vorsprung am Markt verschaffen. Wir könnten auch unseren Mitarbeitern und dem System einen existenzbedrohenden Einbruch ersparen, der die ohnehin schon schwierige gesellschaftliche Stimmung und den Einfluss der Rand-Parteien weiter verschärfen könnte. Wir täten also nicht nur uns selbst als Führenden und unseren Unternehmen einen Gefallen, wenn wir jetzt an morgen denken – wir würden nach all den fetten Jahren auch unserer unternehmerischen Verantwortung gerecht.

Und wie? Die entscheidende Information des WEF-Berichts liegt für mich nicht in den Zahlen, sondern in dem Hinweis, dass in Zukunft ganz andere Fachkenntnisse benötigt werden. Das ist die eigentliche Handlungsanweisung – auch an die Politik, vor allem aber an die Unternehmen!

Der Flaschenhals ist die Qualifikation

Unser zentrales Zukunftsproblem ist nicht jenes, das wir gerade am stärksten spüren: der Fachkräftemangel. Unser zentrales Zukunftsproblem ist auch nicht der Fachkräfte-Überschuss. Unser zentrales Problem ist der Flaschenhals Qualifikation: Wie bekommen wir all die Arbeitskräfte, die wir a) für die Automatisierung und Digitalisierung unserer Unternehmen brauchen und die b) durch die Automatisierung und Digitalisierung auf den Markt gespült werden, rechtzeitig angemessen qualifiziert?

Grund zur Sorge gibt es aus mehreren Gründen. An vielen Universitäten scheitern technische Studiengänge für die Industrie 4.0 bisher noch an veralteter Technik und Personalmangel. Auch die Wirtschaftswissenschaften sind der neuen Zeit noch nicht gewachsen, denn sie fokussieren noch immer auf Planung und Management statt auf Innovation und Kreativität. Auf diesem global betrachtet hoch brisanten Spielfeld dürfen wir keinesfalls noch mehr Boden verlieren.

Die Ausbildung von technischen und ökonomischen Fach- und Führungskräften muss gründlich überholt werden, und das besser gestern als heute. Die Initiativen dazu müssen aus der Wirtschaft kommen – was der Staat hier anbieten kann, ist zu wenig und kommt zu spät.

Die Wirtschaft, wie wir sie kennen, wird implodieren

In den Fußnoten des Wirtschaftsteils deutet sich schon jetzt an, was auf uns zurollt: In den nächsten Jahren werden in den größten deutschen Konzernen Hunderttausende von Arbeitsplätzen zur Disposition stehen. VW bringt schon jetzt, im Windschatten des Diesel-Skandals, 100.000 Entlassungen ins Spiel. Bei Siemens sind schon aktuell 20.000 Jobs in Gefahr. Und die Automatisierung wird vielleicht für einen gewissen Zeitraum, nicht aber auf lange Sicht genügend neue Arbeitsplätze schaffen.

Danach wird die Zukunft für viele Menschen nicht in ihren angestammten Branchen liegen, sondern in einem Feld, das in den meisten Unternehmen bisher vernachlässigt wird: im Service. Auch hier haben wir massive Defizite bei Standards und Ausbildung.

Wenn wir auf diesen Elefanten im Raum nicht umgehend reagieren, könnten wir es in einigen Jahren nicht mit 5, sondern mit 15 Prozent Arbeitslosenquote zu tun haben. Dann schwappen die Forderungen der Stammtisch-Parteien nach einfachen Lösungen in den Mainstream über, und soziale Unruhen sind eine Frage der Zeit. Und das nur, weil die Führenden an den Schnittstellen hier und heute ihre Hausaufgaben nicht machen.

Wie dumm wäre es, wenn die stärkste europäische Volkswirtschaft erst dann beginnt, auf ihr Qualifikationsproblem zu reagieren? Führung muss beides leisten: das Heute managen und dabei Visionen entwickeln, die das Morgen gestalten.

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Highlights 2017

Carsten K. Rath - Highlights 2017

Das Jahr 2017 war reich an Schlagzeilen, Debatten und Umbrüchen in der Welt der Führung und des Service. In meinen Kolumnen und Beiträgen für BILANZ, WELT, FALSTAFF, FOCUS, BUSINESS PUNK, HANDELSBLATT, XING Insider sowie XING Klartext und AHGZ sowie in meinem Blog habe ich das Geschehen für Sie kommentiert und begleitet. Sollten Sie im Laufe des Jahres manchmal zu beschäftigt gewesen sein, um meinen Impulsen zu folgen – kein Problem! Hier kommen meine Highlights des Jahres: Die zehn meistgelesenen und meistdiskutierten meiner Medienbeiträge in 2017.
Ein Klick auf die Überschrift führt Sie jeweils zum vollständigen Beitrag in der Originalquelle bzw. zu meinem Blog.
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„Special Award 2015“

Keynote-Speaker Carsten K. Rath mit Special Award 5 SterneRedner

Der „Special Award 2015“ geht an den Service & Leadership-Experten Carsten K. Rath: Die Redneragentur 5 Sterne vergibt diesen Award an Persönlichkeiten, die herausragende Leistungen ausserhalb der Rednerszene aufweisen. 2015 durfte sich der Gründer und CEO des Kameha Grand Zürich bereits über zwei weitere Auszeichnungen freuen.

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Carsten K. Rath bei NRW.TV

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Freuen Sie sich auf Carsten K. Raths Auftritt bei “NRW Live – Sport, Unterhaltung, Lifestyle – aktuell und interaktiv” am Mittwoch, den 12. August 2015!

Er wird zwischen 17:30 Uhr und 18.30 Uhr seinen Auftritt haben.