Die Gesetze der Freiheit -10-Punkte-Programm für eine menschliche Führung

Überall wird digitalisiert, disruptiert und reorganisiert – angeblich um flexibler zu werden. Dabei sollte nach wie vor der Mensch im Mittelpunkt stehen. Ein Manifest für Führung, die auch morgen ihren Zweck erfüllt.

Die Anforderungen an Führung ändern sich gefühlt täglich. Es gibt ja so viel zu tun: Von heute auf morgen müssen wir alle digital sein, am besten gleich digitale Pioniere. Nebenbei schaffen wir auch die Hierarchien ab, weil Führung digital vermeintlich sowieso nur noch per Du funktioniert.

Und wenn wir schon dabei sind, sourcen wir gleich noch den Kundensupport, ach was, das ganze Projektmanagement aus, dann kann uns für Misserfolge gleich gar niemand mehr verantwortlich machen. Die Inder waren’s! Und wann kommt mein Bonus?

Eins ist nicht zu leugnen: Führungskräfte brauchen mehr Freiheiten, um mit dem permanenten Wandel umgehen zu können. Doch diese Freiheiten werden zu oft im Außen gesucht: in der Technik, in Konkurrenzvergleichen, im Silicon Valley – nur bloß nicht im eigenen Kopf und im eigenen Dunstkreis.

Wenn wir das Prinzip Freiheit externalisieren, blenden wir aus, worum es bei Führung wirklich geht: Es geht um den Menschen. Denn er ist es, der digitalisiert, disrupiert und reorganisiert werden soll.

Führung geht nur mit den Menschen

Die Freiheiten von Führung werden immer noch auf den Linien dieses Dreiecks verhandelt: Führung – Mitarbeiter – Kunde. Drei Ecken, drei Menschen. Deshalb können wir in der Führung eben nicht alles ausblenden, was menschlich ist. Wir können nicht überall auf Hierarchien verzichten, solange es Menschen gibt, die geführt werden wollen.

Wir können nicht die anständige, würdevolle Kommunikation abschaffen, nur weil es Email und Skype gibt. Wir können nicht ignorieren, was unsere Kunden brauchen, nur weil der Chatbot billiger ist als der Mitarbeiter am Telefon. Wir können keine neuen Wege einschlagen, wenn keiner mehr mitkommt. Die Freiheiten, die wir brauchen, sind innerhalb des Systems von Führung zu suchen – mit all seinen menschlichen Stärken und Schwächen. Und dieses System ist vielerorts tatsächlich von Abhängigkeiten und Kontrollwahn geprägt. Hier können wir ansetzen und ein System von Freiheiten schaffen, das tatsächlich funktioniert. Erst dann macht es nämlich Sinn, überhaupt neue Wege zu gehen: Wenn die Freiheit im Unternehmen sinnvoll verteilt ist und alle an einem Strang ziehen. Dann klappt es auch mit Digitalisierung, Disruption und Reorganisation. Mit den Menschen, nicht ohne sie. Carsten K. Rath: Kolumne Bilanz | Ausgabe 15 Das folgende 10-Punkte-Programm schenkt uns die Freiheiten, die wir wirklich brauchen, damit Führung auch morgen noch funktioniert.

Zehn-Punkte-Manifest für menschliche Führung

1. Lernen Sie den Kontrollfreak in sich kennen, akzeptieren und überwinden.

Finden Sie heraus, wo Ihre Abhängigkeiten liegen – reale oder eingebildete – und welche Potenziale dadurch gehemmt werden.

2. Entscheiden Sie autonom, aber entscheiden Sie nicht alles selbst.

Setzen Sie Entscheidungen, an die Sie glauben, in Ihrem Verantwortungsbereich auch gegen Widerstände durch – und lassen sie andere ebenso autonom entscheiden.

3. Exzellenz entsteht durch Vertrauen, nicht durch Vorgaben.

Die wahren Talente Ihrer Mitarbeiter kommen oft erst dann zum Vorschein, wenn Sie sie herausfordern und Vertrauen in ihre Fähigkeiten setzen.

4. Führen Sie Redefreiheit für alle ein.

Als Führungskraft dürfen Sie klare Worte sprechen. Respekt bekommen Sie dafür aber nur, wenn auch Ihre Mitarbeiter diese Freiheit genießen.

5. Erhöhen Sie den Spaßfaktor Ihres Unternehmens.

Lassen Sie zu, dass Ihre Mitarbeiter Spaß an der Arbeit haben und auch mal übermütig werden. Niemand ist kreativ, wo man zum Lachen in den Keller geht.

6. Machen Sie Fehler zur Ressource.

Führen Sie eine positive Fehlerkultur ein. Thematisieren Sie Fehler offen und machen Sie sie zur Lerngrundlage für alle. Angst vor Fehlern bremst neue Ideen aus.

7. Entwickeln Sie Menschen, nicht Stellenbeschreibungen.

Fertige Genies findet man nicht, man entwickelt sie. Nehmen Sie die Menschen wichtiger als die Regeln. Genie erwächst aus der Freiheit das System zu verändern.

8. Passen Sie das System Ihrer Mission an, nicht umgekehrt.

Individualität und Flexibilität sind im permanenten Wandel Trumpf. Innovativ können Sie nur sein, wenn Sie sich über die Beschränkungen des vorhandenen Systems erheben.

9. Widerstehen Sie der Schwarmdummheit.

Suchen Sie den Erfolg nicht da, wo ihn gerade alle suchen. Digitalisieren Sie nicht irgendwie, nur um digital zu sein wie alle anderen. Setzen Sie eigene Standards.

10. Erklären Sie den Kunden zum einzigen Maßstab.

Den Kunden interessiert nicht, warum etwas nicht geht. Er sieht nur das Ergebnis. Die notwendigen Freiheiten folgen immer nur einem Aspekt: Was hat mein Kunde davon?

Praxishilfen für Freidenker in der Führung enthält das neue Buch von Carsten K. Rath: 30 Minuten Freidenken für Führungskräfte. Jetzt im Handel!

Dieser Beitrag ist am 14.12.2017 bei der Bilanz erschienen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.