Innovation für den Business-Normaden

Innovation geht mit dem Kunden

Druck, Mobilität, Individualität – das zeichnet den modernen Business-Nomaden aus. Innovative Unternehmen stellen sich kompromisslos darauf ein.

Innovation – das klingt nach teuer, kompliziert und riskant. Ist es aber nicht. Oft reicht es völlig aus, sich von alten Konventionen freizumachen, das eigene Unternehmen und die eigenen Kunden genau zu beobachten und dann das neu zusammenzubringen, was nicht mehr zusammengepasst hat. Das Innovation auf diese Weise sehr gut und ohne großen Aufwand funktioniert, lässt sich in der Hotel- und Gastronomiebranche an drei Konzepten zeigen, die erfolgreich neu gedacht worden sind: Minibar, Betriebskantine und Zimmerbuchung „pro Nacht“.

Getränkeautomat mit Grandezza

Beispiel 1: Die Minibar. Konventionelle Minibars und moderne Business-Nomaden passen überhaupt nicht mehr zusammen. Einfach deshalb, weil in Minibars nie das Richtige steht. Immer nur mittelmäßiger Wein, Standard-Bier, Softdrinks, ein einsamer Wodka, schlecht gelagerte Schokolade und gummiartige Reis-Chips. Das will heute keiner mehr.

Erst recht kein Business-Nomade, der von Jahr zu Jahr mehr Druck im Job erlebt, der immer mobiler sein muss und sein gestresstes Ego mit immer ausgefeilteren Luxus-Ansprüchen vor dem im Business üblichen, alles vereinnahmenden Zweckrationalismus und Effizienzdenken zu retten versucht. Deshalb haben wir uns im Kameha Grand Zürich die Freiheit genommen, die gute alte Minibar durch individuelle Getränkepakete zu ersetzen: Fitness-Drinks für Marathon-Läufer, Absacker für Verhandlungs-Marathonis, jeweils perfekt zusammengestellt für den gepflegten Absturz danach. Ergänzt haben wir das – und jetzt kommt’s – durch Getränkeautomaten auf den Fluren. Getränkeautomaten! Großes Entsetzen bei Mitbewerbern und Kritikern, größte Begeisterung bei den Gästen, die genau das wollen: Wahlfreiheit zu jeder Zeit. Was uns zeigt: Die Minibar ist kein „muss-man-haben“, sondern lediglich ein Auswuchs von „haben-wir-immer-schon-so-gemacht“. Passt nicht mehr. Kann also weg.

Rollende Betriebskantine

Beispiel 2: Traditionell kochen Betriebskantinen mittelmäßige Massenverpflegung in Riesenräumen mit ungemütlicher Deckenbeleuchtung. Warum eigentlich, wenn die Mehrzahl der heutigen Business-Gäste weder Zeit noch Lust hat, den weiten Weg zur Kantine zurückzulegen und auch keine verkochte, hochkalorische Bauarbeiterverpflegung zu sich nehmen will? Genau darüber haben die Bavaria Filmstudios nachgedacht und ihre Betriebskantine mobil gemacht. Die neue Filmkantine „Tafelgold“ in Geiselgasteig rollt das Essen mit Küchentrucks und mobilen Kühlhäusern zu den Drehorten und liefert frisch geschnitzte Crudités im Notfall auch direkt in die Umkleidekabinen der Stars und Sternchen. So muss Innovation sein.

Drei Stunden grand, bitte

Beispiel 3: Zimmerbuchung. Dass man Zimmer „pro Nacht“ bucht, ist eine weitere Konvention, von der wir uns getrost frei machen können. Denn was, wenn ein Gast zwischen Flugankunft und Abendtermin kurz einen ruhigen Ort für ein anspruchsvolles Business-Meeting, sicheres WLAN und eine Dusche möchte? Warum sollte er dann 465 Euro für eine Suite in einer Nobelherberge investieren? Eben. Das macht keiner. Würde es aber tun, wenn es vernünftige Angebote gäbe. Und die gibt es: über byhours.com, between9and5.com oder dayuse.com, lassen sich Tageszimmer für bis zu minus 75 Prozent der normalen Übernachtungskosten buchen. Eine Win-Win-Situation für die unter Kostendruck ächzenden Hotels und die Business-Nomaden, die bei sinkenden Reisebudgets immer mehr herausfordernde Geschäftsreise absolvieren. Auch „Übernachtungen“ sind also kein „Muss-man-haben“ in der Hotellerie, sondern lediglich ein „Haben-wir-immer-schon-so-gemacht“. Also weg damit. Schenken wir den Business-Nomaden mehr Wahlfreiheit. Sie lieben es. So geht Kundenbegeisterung.

Der Getränkeautomat im Grand Hotel, die rollende Filmkantine und die Hotelübernachtung tagsüber zeigen, dass Innovationen per se unabhängig sind von Produktinnovationen und dass sie oft in Zusammenarbeit mit Partnern entstehen. In unseren Fällen sind das Automatenvermieter, Buchungsplattformen, mobile Experten. Innovationen kommen auch nicht immer aus der Entwicklungsabteilung. Solche Ideen können überall da im Unternehmen entstehen, wo Manager und Mitarbeiter die Freiheit haben alles, wirklich alles auf den Prüfstand zu stellen. Genau diese Freiheit zu schaffen, ist eine zentrale Aufgabe von Führung. Sogar: DIE zentrale Aufgabe.

Frei sein heißt, auf Konventionen pfeifen

Das ist gut zu wissen für alle, denen nur wenig Budget für Innovationen zur Verfügung steht. Was in Deutschland auf fast alle zutrifft: Nur sieben Prozent des Gesamtumsatzes geben hiesige Unternehmen für Innovationen frei. Weltweit sind es immerhin neun Prozent (Studie PWC 2015). Lediglich neun Prozent der in Deutschland befragten Unternehmen setzen dabei auf Service-Innovation, weltweit sind es 18 Prozent. Doppelt so viel! In Sachen Service-Excellence gibt es hier noch sehr viel Luft nach oben.

Ich sage: Was uns gestern exzellent gemacht hat, kann morgen schon irrelevant sein – und uns sogar die Existenzgrundlage unter den Füßen wegziehen. Was also können Sie verlieren, wenn Sie Innovationen wagen? Kurzfristig gemütliche Konventionen und überkommene Workflows. Langfristig Ihren Erfolg. Denn Innovationen entscheiden über die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens – und über Ihre persönliche Zukunft. Denn „nicht mit Erfindungen, sondern mit Verbesserungen macht man Vermögen.“ Wusste schon Henry Ford.

Deshalb lohnt sich eine barrierefreie und offene Zusammenarbeit mit Kunden und mit Partnern. Zur Not ohne Entwicklungsabteilung und ohne Riesenbudget – immer mit einem Maximum an Freiheit für alle. Denn echte Innovation ist nur in einem barrierefreien System möglich. Und wenn Innovation gelingt, dann klappt‘s auch wieder mit dem Kunden.

 

Dieser Text ist erschienen am 03. November bei capital – Wirtschaft ist Gesellschaft

 

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