Leadership Excellence ganz ohne COMO

Neulich habe ich mir einen Kurzurlaub in meinem liebsten europäischen Strandresort gegönnt. Ich bin deshalb gern dort, weil da lauter wunderbar Verrückte arbeiten. Echte Service-Persönlichkeiten, die für ihre Gäste Himmel und Hölle in Bewegung setzen, immer einen Scherz auf den Lippen haben und vor allem: ihre Stammkunden mitsamt ihren Vorlieben kennen und respektieren.

Es ist einer jener Orte auf der Welt, an denen mir jeder Wunsch vorweggenommen wird und ich niemandem irgendetwas erklären muss. Einfach mal ein für ein langes Wochenende Sonne tanken, Meerluft atmen und im Pool nach neuen Ideen tauchen. Und vor allem: ein paar Tage weit, weit weg vom Monkey Business. Keine COMOs weit und breit.

Dachte ich.

Die COMOs kommen

Doch am Samstagmorgen herrscht plötzlich geschäftiges Treiben. In den Palmen, die die Wege auf dem Gelände säumen, klettern Menschen herum – s. Foto oben. Alles, was nicht akkurat aussieht, wird ausgedünnt und die Palmen hübsch symmetrisch zurechtgeschnitten. Damit sie sich, frisch frisiert quasi, noch majestätischer über die Flanierenden neigen.

Auch am Boden ist einiges los: In allen Ecken ist jemand am Werkeln. Überall Gärtner, die Hecken und Rasen trimmen. Maler, die Fassaden streichen. Reinigungskräfte, die Gehwege schrubben und Fensterputzer, die hoch oben an der Fassade in der Sonne braten. Hier wird offensichtlich groß reine gemacht, als wäre Schwiegermutter im Anmarsch.

Ich finde das merkwürdig, denn solche Arbeiten werden normalerweise nicht an einem gut gebuchten Wochenende gemacht. Irgendwas liegt in der Luft. Also frage ich einen Mitarbeiter, der gerade eine Gruppe Besucher übers Gelände führt: „Sag mal, was ist denn bei Euch los? Ich war ja schon oft hier, aber so viel Gewerkel auf einmal habe ich noch nie erlebt. Bereitet Ihr einen Staatsempfang vor?“

Der Mitarbeiter grinst mich vielsagend an und antwortet: „Nee, kein Staatsbesuch. Am Montag kommen die Corporate Officer von der Holding aus Deutschland rein und machen ihren regelmäßigen Check-up vor Ort. Da ziehen wir immer eine ordentliche Show ab, damit sie uns keinen Ärger machen. Aber mach dir keine Sorgen: Danach ist wieder sechs Monate Ruhe.“

Der Fluch der Erinnerung

Wenn er wüsste, welchen Film er da bei mir in Gang setzt. Schlagartig kommen die Erinnerungen wieder: An meine eigene Vergangenheit als „Como in Chief“. Früher war ich selbst so einer. Auch ich war so ein Manager aus der Zentrale, der Ober-Monkey sogar, der mit einer COMO-Delegation in irgendeinem Hotel oder Resort einfiel. Ich war einmal der, der Mitarbeiter mit meiner bloßen Anwesenheit in Aufruhr versetzte, einfach weil ich der Chef war.

Als ich in das verschmitzte Gesicht des Mitarbeiters blicke, wird mir klar: Damals muss es genauso gewesen sein. Auch für mich wurden wahrscheinlich irgendwo die Palmen gestutzt, damit ich majestätisch darunter hindurch flanieren und zufrieden nicken konnte. Damals haben die Mitarbeiter vor Ort vermutlich auch vor jedem meiner Besuche alles auf Hochglanz gebracht, auf dass ich sie danach wieder ein paar Monate in Ruhe lasse.

Und wenn ich es recht bedenke, habe ich mich immer gewundert, wieso die Kronen der Palmen immer so adrett in meine Richtung zeigten, als hätte man sie darum gebeten. Ich muss an die Flaggen denken, die während meiner Zeit in China in den frühen 90ern den Tian’an’men Square in Peking säumten: angeblasen von eigens dafür installierten Windmaschinen, damit sie auch bei Flaute standesgemäß strammstanden. Damals habe ich mich köstlich über diese Marotte der kommunistischen Führung amüsiert. Und nun stelle ich fest: Das Monkey Business ist auch nicht besser.

Und ich habe es damals nicht mal gemerkt. Du meine Güte, war ich COMO!

Leadership Excellence ist, wenn es auch ohne COMO geht

Warum erzähle ich Ihnen von den Palmen und meiner COMO-Vergangenheit? Weil die Geschichte zeigt: Wir nehmen uns als Vorgesetzte manchmal einfach zu ernst. Das Ziel der Führung darf doch nicht sein, dass die Mitarbeiter brav strammstehen, wenn wir unsere Nase in ihr Büro stecken. Wir und vor allem die Kunden haben viel mehr davon, wenn wir ihnen alle Freiheiten und den nötigen Verantwortungsrahmen geben, den sie brauchen, damit sie sich um ihre Arbeit kümmern können. Das tun die Mitarbeiter in meinem Lieblings-Resort, auch ohne Überwachung aus der Konzernzentrale, 365 Tage im Jahr. Sie brauchen keine militärisch durchorganisierte Controlling-Parade alle sechs Monate, die nur Kapazitäten und Aufmerksamkeit vom Kunden abzieht.

Entscheidend ist nicht, was passiert, wenn ich als Führungskraft da bin. Entscheidend ist, was passiert, wenn ich nicht da bin. Wenn ich nicht kontrolliere und meine Nase nicht in Entscheidungen und Maßnahmen stecke, die andere viel besser im Griff haben. Wirklich glänzen können unsere Mitarbeiter nur, wenn wir ihnen ihren Job zutrauen – und ihnen vertrauen! Die richtigen Mitarbeiter finden und binden und sie in ihrem Verantwortungsbereich UNABHÄNGIG zu machen – das ist unsere Aufgabe. Menschen ermächtigen und ihnen eine Inspiration sein. Nicht ein Störfaktor, der sie von der Arbeit abhält.

Wenn die Palmen getrimmt werden, dann doch bitte für den Kunden, und nicht für den Chef!

Ich wünsche Ihnen einen exzellenten November!

CKR

Ihr Carsten K. Rath

 

PS: Dieser Text ist das Editorial meines aktuellen Newsletters, den Sie hier online Nachlesen können.

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