Alle Tassen im Schrank?

Entscheidungsfindung in Meetingräumen

Wenn man in einem großen, internationalen Hotelkonzern tätig ist, zum Beispiel als Gastronomie-Direktor, lernt man oft etwas Seltsames: Man hat zwar einen tollen Titel, man darf aber nichts alleine. Gar nichts. Nicht einmal Geschirr aussuchen. Nein! Man muss jeden Teller und jede Tasse von einem Gremium absegnen lassen, das in seiner Macht und Herrlichkeit durch nichts zu übertreffen ist. Und meistens im Meeting, also nicht erreichbar. So dass man ziemlich lange noch nicht alle Tassen im Schrank hat.

Habe ich selbst so erlebt. Und daraus gelernt: Führung darf keine einsame Veranstaltung sein, aber einsame Entscheidungen sind oft die besten. Wohingegen große Entscheidungsrunden sehr vieles produzieren – Langeweile, Egotrips, einen erhöhten CO2-Ausstoß im Konferenzraum, und sehr vieles ermöglichen – eine schöne Bühne für Corporate Monkeys und den Verzehr herrlicher COMO-Leckerli (Konferenzgebäck) – nur keine brauchbaren Entscheidungen.

Wo viele mitreden, kommt meistens am wenigsten raus, oder? Am Ende vieler Meetings steht irgendeine halbgare Lösung, die obendrein auch noch ewig dauert. Je höher die Führungsebene, desto häufiger und ergebnisärmer die Versammlungen. Und je mehr Stufen so eine Entscheidung durchlaufen hat, je mehr Arbeitszeit in Form von Meetings ihr geopfert wurde, desto weniger Sinn macht sie am Ende in aller Regel für den Kunden.

Je mehr COMOs, desto affiger die Entscheidung

Denn je länger wir über Entscheidungen reden und je mehr Entscheider wir einbeziehen, desto weniger geht es um den eigentlichen Sachverhalt. Stattdessen geht es nach irgendwelchen starren Richtlinien, Prozessen und Abläufen. Und was da nicht reinpasst, fällt durchs Raster. Außergewöhnliche Kundenwünsche zum Beispiel.

Für diese Form der sogenannten Entscheidungsfindung, für die wir mit steigender Führungsebene einen wachsenden Teil unserer Zeit verwenden, gibt es inzwischen ein schönes Wort: Schwarmdummheit. Ich sage:

Viele Meeting-Räume sind Brutstätten der Schwarmdummheit.

Deshalb bin ich bei Fragen, die nicht wirklich dringend im Konsens entschieden werden müssen (Tassen!) ein Verfechter einsamer Entscheidungen. Zuerst mag das paradox klingen von einem, der sich sonst für eine Umverteilung der Entscheidungsmacht eintritt. Doch wenn die Entscheidungsbefugnisse jeder Führungskraft und jedes Mitarbeiters klar umrissen sind, dann teilen wir auch die Einsamkeit des Entscheiders miteinander. Und für diese Einsamkeit gibt es ebenfalls ein treffendes Wort: Verantwortung.

Ich wünsche Ihnen eine exzellente Woche!

CKR

Ihr Carsten K. Rath

 

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2 Kommentare zu “Alle Tassen im Schrank?

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