Gestatten: Corporate Monkey

Excellence braucht Freiheit

Der wichtigste Schlüssel zu Excellence ist Freiheit. Davon bin ich absolut überzeugt, das lebe ich in meinen Unternehmen. Auf jeder Ebene hat jeder Manager und jeder Mitarbeiter maximale Handlungsfreiheit, maximale Entscheidungsfreiheit, sogar maximale Budgetfreiheit – wenn es um den Kunden geht. Damit, wenn es darauf ankommt, eine Lösung sehr schnell umgesetzt werden kann. Denn das sind die „moments of truth“ für den Kunden. Das Praxis zeigt: Das funktioniert. Das ist der Weg, auf dem Excellence aufblüht.

„Aber“, sagen Sie jetzt, „ist das wirklich so einfach? Macht dann nicht jeder, was er will? Führt maximale Freiheit nicht zu maximalem Chaos?“ Nein. Meiner Erfahrung nach passiert das nicht. Tatsächlich aber ist Führung mit Freiheit eine Herausforderung. Weil es vielen Menschen so schwer fällt, das richtige Maß zu finden.

Wenn das Maß nicht stimmt

Auf der einen Seite sind das die, die für die Vision des Unternehmens brennen, die keine Grenzen kennen, die so lange zu viel des Guten tun, bis die Kasse nicht mehr stimmt und sie auf unbestimmte Zeit an die Ostsee müssen. Wegen Burnout. Auf der anderen Seite sind es jene, denen die Vision des Unternehmens völlig egal ist, denen es ausschließlich um den persönlichen Erfolg geht, zu jedem Preis. So wird die eigene Bilanz zur Not poliert mit ein paar Bypass-Operationen in der Hierarchie, etwas Wildern im Vertriebsfeld des Kollegen, ein bisschen Intrigen hier, ein wenig Stuhlbeinsägen da, man will ja schließlich vorankommen.

Es funktioniert ja auch! Sogar ganz ohne eigene Ideen, ohne Nachdenken über das Warum, Wozu, Wohin und Wer-bin-ich-überhaupt – vor allem ohne eigene Wertvorstellungen. Wer genug Narzissmus im Gepäck hat, der braucht so etwas Lästiges wie Integrität überhaupt nicht. Meinen die vermeintlich erfolgreichen Vorankommer, sofern sie überhaupt etwas meinen. Zum Glück gibt es in den meisten Unternehmen nur einige, wenige dieser Karrieristen – der von ihnen angerichtete Schaden ist dennoch massiv.

Monkeys sind Junkies

Die Rede ist von Corporate Monkeys – nennen wir sie kurz: COMO®. Sie kennen diese Spezies so gut wie ich. Personaler stellen diese Monkeys gerne ein, weil sie so wahnsinnig nach Erfolg aussehen. Sie tragen den richtigen Anzug. Sie hangeln sich mehr oder weniger elegant die Karriereleiter hoch. Sie küssen im Vorbeigehen die richtigen Hintern. Aber eigentlich ist alles, was sie tun und sagen, irrelevant. Denn Corporate Monkeys interessieren sich überhaupt nicht für die Zukunft des Unternehmens, für seine Vision, für seine Mission. „Alles Quatsch“, denkt sich der COMO. Was er will, ist die eigene Kokosnuss: Status, Geld, Firmenwagen, dicker Titel auf der Visitenkarte – und das für möglichst wenig Leistung.

Klar, wenn es Boni zu holen gibt, Kokosnüsse eben, dann klettert der COMO auch mal die Palme hoch. Er ist durchaus einer, den Sie mit einer Gehaltserhöhung motivieren können. Er reagiert auf solche Anreize. Wie alle Motivationsjunkies. Leider sind das nicht die guten Leute.

Besser echte Talente finden

Die anderen, die guten Leute, die sehen auf den ersten Blick oft gar nicht danach aus. Vielleicht eher unscheinbar, manchmal sogar ein bisschen schräg, vielleicht stammen sie sogar aus Familien, die schon etwas weiter herum- oder von weit her gekommen sind. Wenn wir genauer hinschauen, dann sehen wir: Das sind die Leute mit den eigenen Ideen. Mit klaren Prinzipien. Mit Wertvorstellungen. Mit Biss. Mit Talent. Das sind die, die wir brauchen. Die sind es, die Farbe in unsere Teams bringen. Kreativität. Innovation. Denn was wir brauchen, sind Teams, in denen eben nicht alle gleich sind und der gleichen Kokosnuss hinterherjagen.

Miese Führung fördert Monkeys

Fragt sich nur, warum es in praktisch jedem Unternehmen Corporate Monkeys gibt? Überall COMOs? Oft liegt es daran, wie sie selbst geführt worden sind und geführt werden: Von Führungskräften, die nur auf Benchmarks schielen, auf Best Practice, auf sinnleere Kennzahlen, die manchmal in krassem Gegensatz zu den Werten stehen. Das sind solche, die mit Druck und Kontrolle führen, die allem und jedem misstrauen, die Intrigen schmieden und nur darauf bedacht sind, möglichst viele Kokosnüsse in die eigene Tasche zu stecken. Das ist Führung von vorgestern. Old School. Gute Nachricht: Viele junge Mitarbeiter nehmen das altmodisch-autoritäre Gehabe schon gar nicht mehr ernst. Sie setzen auf Sinn, auf Werte. Sie wollen mehr als Zahlen.

Old-School-Führung aber ist das Biotop, in dem COMOs auch heute noch prächtig gedeihen. Wenn da versehentlich mal ein Mitarbeiter mit einer eigenen Idee vorbeikommt, wird er entweder gleich eliminiert – oder man klaut ihm seine Kokosnuss.

Freiheit führt

Corporate Monkeys können mit dem nicht umgehen, was Führung exzellent macht: Freiheit. Gibt man ihnen Freiheit, klauen sie reflexartig Kokosnüsse. Wenn Sie es mit Intriganten oder Narzissten zu tun haben, dann kriegen Sie diesen Reflex nicht weg. Aber: Wenn Sie es mit Mitarbeitern zu tun haben, die allein durch miese Führung zu COMOs geworden sind, dann haben Sie einen Hebel. Dann können Sie aus Ihren COMOs echte Talente formen. Mit exzellenter Führung.

Wie das geht? Mit Spielräumen! Trauen Sie Ihren Leuten etwas zu. Schließen Sie die Gitter auf. Geben Sie jedem ein großes Maß an Freiheit, Platz für eigene Ideen, Budget zum Umsetzen dieser Ideen – und, das ist wichtig: Einen ganz klaren Rahmen für den großen, neuen Spielraum. Ganz klare Spielregeln. Spielregeln! Das heißt auch: Rote Karten. Kante zeigen.

Denn Führung mit einem Höchstmaß an Freiheit und Vertrauen funktioniert nur, wenn Verantwortung und Verpflichtung mitgedacht und von Vorbildern mitgemacht werden. Das kann nicht jeder Ihrer Manager und Mitarbeiter. Doch wer das kann – der macht Ihr Unternehmen exzellent.

Genau darum – um die 4 magischen „V“ in der Führung – geht es in meinem nächsten Blog. Ich freue mich, wenn Sie wieder dabei sind.

Noch etwas: Bekommen Sie schon meinen Newsletter? Wenn Sie mehr wissen wollen über Corporate Monkeys und darüber, was Freiheit mit Führung und Führung mit Service-Excellence zu tun hat, wenn Sie außerdem keinen aktuellen Termin und auch keinen Blog mehr verpassen wollen – dann melden Sie sich gleich hier an. Den Newsletter gibt es einmal pro Monat, es wird im Wechsel um exzellente Führung und Service-Excellence gehen.

Eine exzellente Woche wünscht Ihnen

CKR

Ihr Carsten K. Rath

„Excellence braucht Freiheit.“

Ein Kommentar zu “Gestatten: Corporate Monkey

  1. Marie Claire Melchert

    Hallo Herr Rath,

    bravo, super so habe ich immer gedacht!…

    Freiheit und Vertrauen = Verantwortung = Verpflichtung = ENGAGEMENT.

    Viele Grüße aus Unkel

    Marie Claire ( Kameha Bonn )

    Antwort

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.